Der BMW GS Club München präsentierte sich auf der Intermot 2014 in Köln und den folgenden Frühjahrsmessen in Friedrichshafen, München und Dortmund in einem Berberzelt als abenteuerlichster GS Club der Welt und warb u.a. für sein geplantes Saharacamp in einem Wüstenfort im tiefen Süden Marokkos. Für uns war es die Initialzündung zur Planung und Durchführung einer unvergesslichen Reise.

Die Reisegruppe
Wer wir sind? Armin (Herausgeber und Chefredakteur des GS:MotorradMagazin), Peter (Obsthändler in selbstverordneter Winterpause), Peter 2 (im redaktionellen Auftrag von Touratech), Carola (Hausverwalterin, manchmal etwas schrill, aber immer tapfer) und Werner, 76-jähriger Rentner auf seiner R 1200 ST. Die anderen fahren R 1200 GS bzw. Adventure. Carola und Werner sind auf der Suche nach einer „Mitfahrgelegenheit“ zum Camp bei der Vorplanung per Internet in die Gruppe gekommen.
Der Weg nach Afrika
Der Weg nach Marokko ist weit, es gibt verschiedene Möglichkeiten dorthin zu kommen. Armin, Peter, Carola und Werner haben sich für die Fahrt nach Genua entschieden, von dort geht die Fähre in über 40 Stunden nach Port Tanger Med. Peter 2 hat Glück, sein Motorrad steht schon in Almeria in Südspanien, so schafft er die Strecke von Köln nach Algeciras in wenigen Stunden und startet von dort zur lediglich knapp zweistündigen Überfahrt nach Afrika. Die Truppe aus Genua hat sich während der Seereise vergrößert. Rolf, Technik- und IT-Freak, und Friedel, Senner und Metzger, sind mit R 1200 GS und Adventure aus der Schweiz angereist.
Damit werden wir dann zunächst zu siebt unterwegs sein. Die Fähren erreichen Tanger ungefähr zur gleichen Zeit, dann warten Zoll und Polizei. Pässe und Fahrzeugpapiere wurden schon auf den Schiffen geprüft, jetzt folgen weitere Formalitäten. Die Grüne Versicherungskarte sollte man dabei haben, interessiert hier und heute aber we- niger. Alles wird handschriftlich in eine Kladde eingetragen, die Pässe werden gestempelt, wobei die Motorräder ebenfalls vermerkt werden. Eine Ausreise ist deshalb nur mit dem eingetragenen Fahrzeug möglich.
Tipp: Es gibt zahlreiche Hilfsangebote von jungen Männern, teilweise mit gefakten Ausweisen um den Hals. Diese kann, muss man aber nicht annehmen. Nach einer guten halben Stunde sind wir auch ohne Hilfe durch. Noch im Hafengelände stehen hier Bürocontainer der Reedereien, es gibt ein Café mit kleinen Snacks und Geldautomaten. Hier ziehen wir mit unseren EC-Karten problemlos eine erste Grundversorgung mit 2.000 Dirham, dies entspricht knapp 200 Euro.
Chefchaouen, die blaue Stadt
Unser erstes Ziel in Marokko ist Chefchaouen, die blaue Stadt, etwas mehr als 100 Kilometer oder zwei Fahrstunden entfernt. Auf der Fahrt dorthin sind jede Menge neuer Eindrücke zu verarbeiten. Von Europa trennen uns gerade mal 50 Kilometer, wir sind auf einem anderen Kontinent, wir sind in Afrika! Die ersten Esel als Reit- oder Transporttiere begegnen uns, Ziegen- und Schafhirten stehen mit ihren Meckerern und Blökern am Wegesrand und fast vergessene Autos, wie Peugeot 504 oder Mercedes W 123 als 240-er Diesel prägen, natürlich voll beladen, das Straßenbild.

Es ist fast dunkel, als wir mit Hilfe unserer Navis problemlos Chefchaouen in den südlichen Ausläufern des Rif-Gebirges und unser Hotel erreichen, das wir von Deutschland aus über ein Hotelportal vorgebucht hatten. Auch Rolf und Friedel bekommen noch ein Zimmer. Uns bleibt eine halbe Stunde bis zum Abendessen, wir bringen unser Gepäck rauf und können die Motorräder in einem abschließbaren Hof abstellen. Darauf hatten wir schon bei der Buchung geachtet, und auch auf der weiteren Reise sind abgeschlossene oder bewachte Parkplätze stets erste Priorität.

Die Zimmer sind ordentlich und sauber, und nach einer erfrischenden Dusche (der Warmwasserspeicher war etwas überfordert) treffen wir uns im Speisesaal. Die Karte ist reichhaltig und vielfältig und ganz wichtig: Es gibt Bier! Am nächsten Morgen schauen wir vom Hotel auf die erwachende Stadt hinunter, für die unser Zeitplan leider kaum Zeit vorgesehen hat. Schade, aber für eine kleine Runde durch die engen Gassen und über die kleinen Plätze der Altstadt mit einer Vielzahl blaugetünchter Häuser reicht es dann doch noch und wir haben den ersten Grund, Marokko noch einmal zu besuchen.
Quer durchs Land
Das Ziel für heute ist Marrakesch, knapp 600 Kilometer entfernt. Wir werden uns ranhalten müssen, um die Strecke zu schaffen, dabei geht es auf Landstraßen über Ouezzane weiter nach Kénitra an der Westküste. Wir durchfahren eine Vielzahl von Dörfern und erleben eine fremde Welt mit buntem Treiben, jeder Menge Märkte, Männern und Frauen in traditionellen Djellabas und natürlich wieder alten und uralten Autos, deren Beladungszustand oft beängstigend ist. Nicht zu vergessen die Esel als Zug-, Last- oder Reittiere. Die Temperatur ist Anfang April angenehm, wir registrieren zwischen 23 und 28 Grad, und so kommen wir gut voran.

Nach den ersten 1 ½ Stunden ist Kaffeepause angesagt und wir halten in einem kleinen Ort vor einem Café an der Durchgangsstraße. Sieben Heiß- und zwei Kaltgetränke werden bestellt, darunter der traditionelle Minzetee, den es überall frisch aufgebrüht gibt und der von uns im Laufe der nächsten Tage mehr und mehr als erfrischendes und belebendes Getränk geschätzt wird. Peter 2 übernimmt großzügig die Gesamtrechnung der Gruppe – 38 Dirham, umgerechnet etwa 3,65 Euro. Wir machen also Urlaub und sparen dabei Geld. Bei Kénitra fahren wir auf die preiswerte gebührenpflichtige Autobahn, von dort vorbei an Rabat, der Hauptstadt Marokkos, in Richtung Casablanca. Das Fahren ist entspannt und wir kommen zügig voran, dabei ergibt sich Grund zwei, wieder nach Marokko zu fahren.
Wir haben weder die Hauptstadt gesehen noch Casablanca besucht und hätten dort doch so gerne zu der einzigen Frau in unserer Gruppe gesagt: „Schau mir in die Augen, Kleines“. Außer Werner, der ist kleiner. Der erste Hunger stellt sich ein und wir steuern eine Raststätte an. Wer viel unterwegs ist, hat auch viele Erfahrungen mit Raststätten, und nicht nur gute. Wir sind in Afrika, was erwartet uns? Die Überraschung ist mehr als positiv: Zwar ist das Mobiliar einfach und hat sicher schon bessere Zeiten gesehen, aber es ist alles sauber und ordentlich, vor allem die Toiletten mag man sorglos benutzen.
Wir sitzen draußen und studieren die Tafel mit der Speisenkarte, dabei fällt unser Blick auf ein offenes Fenster, in dem ein Koch mit jeder Menge Tontöpfen hantiert, die auf kleinen Einzelflammen stehen. Der Kellner klärt uns auf, das sei Tajine, und der Blick in einen dieser Töpfe zeigt uns ein buntes Allerlei von geschmortem Fleisch, Gemüse und Reis. Fremde Länder, fremde Sitten. Wir bestellen, und kurz darauf hat jeder seinen eigenen Topf vor sich. Das Fleisch ist Hammel oder Lamm und ziemlich fett, aber insgesamt schmeckt es recht lecker.
Carola als Vegetarierin hat es einfacher und muss nicht umständlich das wenige Fleisch vom Fett trennen. Zu siebt zahlen wir mit Kaltgetränken und Kaffee 460 Dirham. Wir sind an Settat vorbei, es sind noch etwa 200 Kilometer bis Marrakesch, wir müssen tanken. Wieder eine gepflegte Anlage, in der wir noch einen Tee trinken, da rollt ein undefinierbares Motorrad neben unsere Maschinen. Als der Fahrer den Helm abnimmt, erkennen wir ihn – Peter Loosli, ein Dauerreisender, der in Facebook seine Reisen dokumentiert. Er wird auch ins Saharacamp fahren, wo wir uns schon bald wiedersehen sollen.
Marrakesch
Gegen 18 Uhr erreichen wir Marrakesch, Armin fährt wie immer als Scout mit seinem Navi voraus. Das ebenfalls vorgebuchte Hotel ist einprogrammiert. Und dann sind wir drin – in Marrakesch, in der Rush Hour, im Chaos, im Straßenkrieg. Sieben Motorräder wollen zusammenbleiben und zum Hotel fahren, aber alle haben sich dagegen verschworen. Taxis, Eselskarren, Busse, Autos und vor allem Mofas und Roller. Sie schießen rechts und links im Abstand von wenigen Zentimetern vorbei, an Bremsen oder Ausweichen ist nicht zu denken, dafür reicht die Zeit nicht.

Anfangs denken wir noch, dass wir da nie unbeschadet durchkommen, aber schon nach wenigen Minuten sind wir vollwertige Krieger in diesem Street War. Nach einer Stunde erreichen wir schweißgebadet unser Hotel. Die Motorräder werden im bewachten Hof geparkt, aus Sicherheitsgründen muss hier alles abgepackt werden. Auch Rolf und Friedel können ohne Vorbuchung noch einchecken, ist halt keine Saison. 21 Uhr, Treffen in der Hotellobby, wir wollen in die Medina, in die Altstadt von Marrakesch. Dafür brauchen wir Taxis und fragen an der Rezeption danach und nach dem Preis. 50 Dirham sagt die freundliche Dame und ruft die Taxis.
Wir warten draußen, bis der erste Wagen kommt, ein Mercedes 240 D. Sicherheitshalber noch die Frage nach dem Preis – 100 Dirham, jetzt gelte der Nachttarif. Das ist uns zu viel, wir wollen nur 50 Dirham zahlen. Andere Leute kommen dazu, das zweite Taxi fährt vor, das Palaver ist groß. Drei von uns sind auf die Straße gegangen und sehen dort dauernd Taxis vorbeifahren, allerdings keine Mercedes, sondern Kleinwagen undefinierbarer Herkunft. Auf Winkzeichen hält einer und will für 50 Dirham fahren. Jetzt wollen die Taxis am Hotel nur noch 75 Dirham haben.
Wir lassen sie stehen und nehmen zwei Autos von der Straße. Das Chaos auf den Straßen nehmen wir nun aus einer anderen Perspektive wahr. Jeder will an jeder Stelle der Erste sein, beim Linksabbiegen ordnet sich jeder rechts von seinem Vordermann ein, Sicherheitsabstände sind ab 3 Zentimeter (auch gegen vorausfahrende Zweiräder) ausreichend, müssen aber nicht eingehalten werden, und als wir ankommen, ist tatsächlich wieder nichts passiert. Wir zahlen pro Person knapp 1,50 Euro und werden zukünftig jedes Fahrgeschäft in einem Vergnügungspark langweilig finden.
Unser Reiseführer hat ein Restaurant in einem ehemaligen Gewürzsouk (Souks sind Basarstraßen) empfohlen, das „Terrasse des épices“. Es ist schon spät und wir haben Hunger, daher gehen wir rasch durch die engen Gassen und landen an einem eher unscheinbaren Haus mit Vorhof. Dort werden wir aber gleich angesprochen und eine enge Treppe hinaufgeschickt. Oben erwartet uns eine große Terrasse mit Blick auf die Altstadt. Auch hier ist die Speisenkarte vielfältig und jeder findet etwas für seinen Geschmack, allerdings gibt es nur alkoholfreies Bier, das aber immerhin den Durst löschen kann.
Mit Vor- und Hauptspeise und etlichen Getränken zahlen wir jeder knapp 20 Euro, was uns nach den bisherigen Erfahrungen teuer, aber immer noch akzeptabel erscheint. Auf der Fahrt vom Hotel hierher haben wir eine große Gastronomie mit Terrasse gesehen – „Cafe extrablatt“. Das kennen wir aus Deutschland, mal sehen, wie so etwas in Marrakesch aussieht. Wir laufen bis zur Stadtmauer und winken zwei Taxis heran, die sich mit uns wieder in das Getümmel stürzen, das uns aber kaum noch beeindruckt. „Da passt Du doch noch durch, hup mal“ animieren wir die Fahrer und sind nur noch coole Fahrgäste.
Am Café angekommen, finden wir ein völlig anderes Publikum als in der Altstadt: Schick und modern gekleidet, wir könnten auch in Köln oder in München sein. Es gibt gute Musik, die Sehen und Gesehenwerden begleitet. Dass wir nicht in einer deutschen Großstadt sind, lesen wir in der Getränkekarte: Keine alkoholischen Getränke. Dafür gibt es guten Kaffee, eiskalte Cola und leckeres Eis. Besonders auffällig ist ein rotes Ferrari Cabrio vor dem Eingang, wir werden auch noch Bentley, Jaguar, Mercedes, BMW und andere Luxusautos sehen.
Sind manche dieser Fahrzeuge in Deutschland schon Hingucker, fallen sie hier noch mehr auf. Wieso hatten wir in der Rush Hour Sorge um unsere Motorräder? Der nächste Morgen beginnt mit einem sehr guten und reichhaltigen Frühstück im Hotel. Wir verabreden uns für 15 Uhr zu einem Altstadtbummel und verbringen die Zeit unterschiedlich. Nur Carola und Werner wollen vorab schon in die Stadt, Armin macht Augenpflege im Hotelzimmer und die anderen relaxen am genialen Hotelpool. Pünktlich zur vereinbarten Zeit treffen wir uns vor dem Hotel und beschließen, eine der Kutschen, die an jeder Straßenecke stehen, zu mieten.
Sofort schwankt ein alter und offensichtlich sturzbetrunkener Kutscher auf uns zu und bietet seine Dienste für 200 Dirham an. Wir lehnen dankend mehrfach ab und entscheiden uns für einen anderen, der nicht nur nüchtern, sondern auch 50 Dirham billiger ist. Die Fahrt dauert eine gute Stunde und führt rund um die Altstadt mit einem kleinen Abstecher dort hinein. Wir orientieren uns mit dem Stadtplan, nebenher gibt unser Stadtcowboy jede Menge Hinweise auf Sehenswürdigkeiten, so dass wir am Ende der Tour einen guten Überblick gewonnen haben.
Von da, wo er uns absetzt, gehen wir ein paar Minuten zum Djemaa el Fna, dem Platz der Geköpften. Die Fläche ist riesig, rundherum sind Geschäfte, Banken, Restaurants und Cafés. Noch ist es relativ leer und wir essen noch eine Kleinigkeit, bevor wir uns in den nächsten Souk begeben, wo wir in den kommenden zwei Stunden ziellos hin- und herlaufen und unzählige Eindrücke sammeln. Kleine und kleinste Läden bieten alles in einem für unsere Augen riesigen Trödelmarkt, aber natürlich gibt es auch Neuware und Dienstleistungen.


Vorsicht ist geboten vor Mofas und Rollern, die in halsbrecherischer Fahrweise die kleinen Gassen durchfahren. Wir kehren zurück zum Djemaa el Fna, dort werden gegen Abend Buden mit Tischen und Bänken aufgebaut, die Essen und Getränke anbieten. Der Platz ist nun viel voller, überall sieht man Folkloregruppen, Schlangenbeschwörer, Geschichtenerzähler, Wahrsager und noch viele andere wunderliche Leute. Auf der Suche nach dem „besten“ Imbissstand versucht uns alle paar Meter ein Schlepper in seinen Laden zu ziehen; schon bald entscheiden wir uns für einen, um dieser nervigen Anmache zu entgehen.
Dafür werden wir, wie viele andere, die ihre Wahl treffen, vom Standpersonal mit lautem Applaus begrüßt. Am Grill hängt eine Speisenkarte mit Preisen, wir bestellen daraus von allem etwas. Das Essen und die Getränke werden schnell serviert, gemütlich ist es aber dort nicht gerade und besonders nervig ist ein neben unserem Tisch arbeitenden Schlepper, der ständig auf den Boden spuckt. Wir verlangen die Rechnung, der Chef will 770 Dirham. Das kommt uns happig vor und wir überschlagen lt. der Speisenkarte den Betrag mit etwa 500 Dirham.
Peter 2 reklamiert, und nach heftiger Arbeit hinter der Stirn des Chefs reduziert dieser die Summe auf 750 Dirham. Wir lassen nicht locker und wollen einen Beleg. Auf einer Serviette wird rasch etwas notiert, das beim besten Willen nicht lesbar ist und mit 750 Dirham endet. Nicht mit uns, sagen wir, woraufhin wir belehrt werden, dass es sich sowieso um einen Sonderpreis handelt und wir eigentlich 1000 Dirham bezahlen müssten. Peter 2 bietet 500 Dirham an und fragt nach der Polizei. Nach weiterem Hickhack und wahrscheinlich den besten Wünschen auf Arabisch will der Wirt 550 Dirham haben, worauf wir uns einlassen und das Trinkgeld dabei inklusive sehen.
Wir sehen uns als Sieger, der Wirt wahrscheinlich auch und so drehen wir noch eine Abschiedsrunde über den Markt, der etwas von tausend und einer Nacht hat. Marrakesch ist definitiv Grund drei für eine weitere Marokkoreise.



Ins Saharacamp
Die Wüste ruft, heute wollen wir ins Saharacamp nach Fort Bou-Jerif. Gut 400 Kilometer sind dafür zurückzulegen. Der Weg aus Marrakesch rauswärts ist nicht ganz so stressig wie bei der Ankunft und schon bald sind wir auf der Autobahn Richtung Agadir. An dieser Hochburg des Tourismus an den Ausläufern des Hohen Atlas müssen wir leider auch vorbeifahren (Grund vier…) und folgen der Landstraße weiter über Tiznit und Bouizakarne nach Guelmim am Rande des Antiatlas. Guelmim wird auch als Tor zur Wüste bezeichnet und war schon seit dem 11. Jahrhundert Handelszentrum und Ziel großer Karawanen aus Mauretanien und dem Senegal. An einer Straßenecke sehen wir die Terrasse eines Cafés und machen noch eine kurze Pause vor der letzten Etappe. Als wir wieder starten, ist es schon fast 18 Uhr, laut Navi sollen wir in einer knappen Stunde am Ziel sein. Wenn uns die Navis nun schon bis hierher gebracht haben, warum biegen wir dann entgegen ihren Anweisungen an einer Kreuzung rechts ab? Jede Diskussion hinterher ist müßig, keiner will den Fehler gemacht haben. Die Straße geht über in eine Schotterpiste, die immer schlechter wird.

Senken, Sand und tiefe Rillen, das kann ja noch heiter werden. Und dann passiert es, Armin und Friedel sind schon durch eine tiefe und sandige Senke durch, da verlässt Carola an dieser Stelle der Mut oder die Konzentration oder beides, sie fährt links gegen die Böschung und stürzt. Sofort sind alle bei ihr, aber nach kurzem Check ist Entwarnung angesagt, Carola ist unbeschadet. Die GS leider nicht, der linke Koffer ist aus der Halterung gebrochen. Mit vereinten Kräften wird zunächst das Motorrad aufgehoben und aus der Senke gezogen, danach wird der Koffer mit Zurrgurten provisorisch befestigt.
Sollen wir diesen Weg wirklich weiterfahren? In dem Moment kommt ein Junge mit seinem Fahrrad vorbei, das er auch nur schieben kann und erklärt uns, dass wir hier auf keinen Fall durchkommen und zurück müssen. Also wenden wir und fahren zurück bis zu der Kreuzung, wo unsere Meinung und die der Navis auseinandergingen. Ab hier folgen wir wieder brav den Anweisungen, allerdings wird es bald dunkel werden. „Rechts ab“ heißt es kurze Zeit später und tatsächlich, dort steht ein Wegweiser zum Fort in acht Kilometern. Allerdings ist ab hier wieder Schotterpiste angesagt, und jetzt sind die Nerven schon arg angespannt.
Wieder so eine Strecke wie eben? Je weiter wir kommen, desto mehr entspannen wir uns, denn es handelt sich um eine ganz normale Piste, die man zügig fahren kann. Und dann sehen wir Licht in der Wüste: Wenige hundert Meter noch und wir sind angekommen im Saharacamp, in Fort Bou-Jerif.
Fort Bou-Jerif
Sechs Tage haben wir für das Camp eingeplant. Held ist mit Leuten und Testbekleidung vor Ort, ebenso KTM mit Testmotorrädern. Louis hat preiswerte Carbonhelme im Angebot, und von Touratech steht eine umgebaute Rallyemaschine zur Verfügung. Peter, Carola, Werner und Rolf haben Hotelzimmer vorgebucht, Peter 2 war zu spät dran und konnte nur noch einen Schlafplatz im Berberzelt bestellen, worauf er aber wegen des eigentümlichen (Kamel?)Geruchs verzichtet. So schlägt er sein Zelt neben den textilen Behausungen von Armin und Friedel auf.
Für die Campteilnehmer gibt es einen separaten Raum im Restaurant, wo Frühstück und Abendessen (übrigens fast täglich Tajine) serviert werden. Bei einigen Tagestouren zum Plage Blanche, zu einer Thermalquelle in der Wüste, nach Sidi Ifni oder zum Kamelmarkt in Guelmim nutzen wir die Gelegenheit und trainieren unsere Offroad-Fähigkeiten. Neben der oft einsamen Steinwüstenlandschaft, durch die man ohne Einschränkungen fahren darf, ist der Kamelmarkt für uns ein besonderes und exotisches Erlebnis. Auf einem großen Platz haben sich eine Vielzahl von Viehhändlern in der traditionellen blauen Draa (früher die Bekleidung eines Nomadenstammes, heute vielleicht mehr für die Touristen) versammelt und bieten ihre Dromedare, Kühe, Schafe und Ziegen an.


In einer für unsere Augen lieblosen Art liegen Schafe und Ziegen mit gefesselten Läufen auf der Erde, auch den größeren Tieren sind die Beine zusammengebunden. Erinnerungen an Karl May werden wach, waren bei den Pferden nicht auch die Vorderbeine gehobbelt? Wir verteilen zum Trost mitleidige Blicke und einige Streicheleinheiten. Im Gespräch mit einem Dromedarhändler erklärt dieser, dass ein Dromedar zwischen 1.000 und 2.000 Euro kostet, Wasser über viele Kilometer riechen kann, über zwei Wochen ohne Wasser auskommt und dann bis zu 100 Liter auf einmal saufen kann.
Auch heute noch spielen Dromedare als Last-, Nutz- und Reittiere eine große Rolle. Vorbei an Händlern, die auf dem Boden sitzend mehr oder weniger Trödelware anbieten, gehen wir eine Treppe zum überdachten Teil des Marktes hinauf, wo Obst und Gemüse angeboten werden.



Durch den Antiatlas nach Tafraoute
Die Tage im Camp sind gezählt, schließlich beginnen wir in nordöstlicher Richtung die etwa 200 Kilometer lange Reise nach Tafraoute im westlichen Antiatlas. Dabei sind Gérard, der Präsident des GS Clubs, und Peter Loosli, der vier Tage mit uns im Camp war. Die Landschaft ist genial, immer wieder wird angehalten, um zu fotografieren. Marokko ist (nicht nur hier) so schön, dass wir Grund fünf für eine Rückkehr haben. Es ist nicht mehr weit bis zum Ziel, als Gérard abbiegt und uns nach Agard Oudad führt. Nach einer kurzen Schotterstrecke sehen wir die „blauen Steine“, ein spektakuläres Kunstwerk mitten in der Wüste.

Der belgische Künstler Jean Vérame hat hier mit 18 Tonnen Farbe bis zu 30 Meter hohe Granitfelsen blau, rot, violett und schwarz angemalt. Alle sind begeistert und über eine Stunde ist nur Fotoshooting angesagt. Am späten Nachmittag kommen wir in Tafraoute an, wo Gérard Essen (natürlich Tajine) und Zimmer vorbestellt hat. Nach dem Essen machen wir uns auf zu einem kleinen Rundgang durch den Ort, wo es uns vor allem wieder der Markt angetan hat. Hier gibt es einfach immer am meisten zu sehen, die Leute, die Händler und ihre Waren, das wahre Leben eben.

Zurück im Hotel die Hiobsbotschaft: Kein Bier. An dieser Stelle wird es höchste Zeit für eine Anmerkung in eigener Sache: Wenn man aus Bayern, Köln oder der Schweiz kommt, sind Bier und Wein fast Grundnahrungsmittel, auf die man daheim durchaus mal verzichten kann. Aber man könnte, wenn man wollte. Das ist so ähnlich wie mit einer Badewanne. Hat man eine, wird man sie kaum nutzen. Zieht man um und hat dann keine, wird man sie täglich vermissen. Gérard organisiert einen jungen Mann als Führer, der uns hinter dem Ort über eine steile und felsige Passage als Abkürzung zum Hotel Les Amandiers bringt.
Geld will der Guide keines, dafür sollen wir auf dem Rückweg in seinem Laden vorbeischauen, was wir auch machen und einige kleine Souvenirs kaufen. Das Hotel gehört schon in eine bessere Kategorie, wir sitzen genial auf der Terrasse über der Stadt und der deutsch sprechende Ober serviert eisgekühltes Bier und Wein. Für eine Flasche Wein und acht Bier zahlen wir 300 Dirham und die Welt ist wieder in Ordnung. Die Motorräder müssen heute Nacht leider auf dem kleinen Parkplatz vor dem Hotel bleiben, aber man versichert uns glaubhaft, dass auch hier ein Wächter sein wird.
Morgens gilt der erste Blick natürlich unseren Bikes: Alle stehen unbeschadet wie am Abend zuvor dort. Nach dem Frühstück heißt es Abschied nehmen. Gérard und Peter Loosli werden zurück ins Camp fahren, Carola und Werner werden wie verabredet zu zweit weiterfahren, vor allem weil Werner keine Lust mehr auf Offroad hat und wahrscheinlich am liebsten heim will. So fahren wir zu fünft mit dem Ziel Erg Chebbi und Merzouga weiter, mal sehen, wie weit wir kommen. Erstmal verfahren wir uns prächtig, aber diesmal sind die Navis schuld: Nach fast zwei Stunden sind wir fast wieder in Tafraoute.
Also Neustart, und mit Hilfe eines freundlichen Mannes, der mit seinem Sohn im R 4 vorfährt, finden wir auf den richtigen Weg. Der ärgerliche und zeitraubende Umweg ist vergessen, als wir zum Gorges d´Ait-Mansour (oder Vallée d´Ait-Mansour) kommen. Nach der Durchfahrt einer beeindruckenden Felslandschaft sind wir plötzlich unter Palmen, deren Blätter sich wie ein Dach zwischen den engen Felsen spannen. Also mal wieder Fotosession und eine Durchfahrt mit der Helmkamera. Weiter geht es dann durch die Landschaft des Antiatlas mit Serpentinen, die zum Kurventanz einladen, bis wir die N 12 erreichen, auf der wir noch über Akka bis Tata, einer kleinen Wüstenoase in 950 Meter Höhe, kommen.
Ein schönes Hotel mit Pool und ebenerdigen Zimmern im Stil einer Appartementanlage ist schnell gefunden, und auch hier wird ein Wächter neben unseren Motorrädern wachen (schlafen?). Heute müssen wir Gas geben, nachdem wir gestern nicht wirklich weit gekommen sind. Wir starten auf der N 12 weiter in Richtung Foum-Zguid, von wo aus uns der direkte Weg über etwa 60 Kilometer Schotterpiste nach Zagora führt. Das geht schon mächtig in die Beine, und mit wachsender Erschöpfung übersehen wir eine Sanddurchfahrt, durch die alle mehr oder weniger (un)geschickt schlingern.
Alle, außer Peter, da liegt er. Ist aber nichts passiert und wir können weiterfahren. Endlich wieder Asphalt, wir nehmen Kurs auf das Vallée du Drâa, für Marokkokenner das schönste Tal des Landes. Nicht zu Unrecht, wie wir feststellen: Wir können uns nicht sattsehen an der Landschaft und den Felsformationen. Palmenoasen, Kasbahs (ehemalige Festungsanlagen) und Lehmdörfer. Heute und hier mit dem Motorrad unterwegs zu sein, werden wir so schnell nicht vergessen. Die kleine Bergstraße, auf der wir uns befinden, werden wir nach Rücksprache mit Einheimischen nicht durchfahren können, da der Zustand nach dem Winter schlecht ist.
Also drehen wir um nach Zagora und nehmen von dort aus die N 9 über Berge durch Agdz bis nach Ouarzazate. Die dortigen Hotels haben wir vorher per Internet gecheckt und nehmen Quartier in einem in die Jahre gekommenen Haus, wo die Motorräder im Hof hinter Gitter kommen. Die Zimmer sind aber, wie bisher immer, sauber, es gibt Duschen und warmes Wasser. Abendessen wird hier nicht angeboten, so schlendern wir durch das Städtchen und finden eine Pizzeria. Nach zehn Tagen mit hauptsächlich Tajine ist das für uns die pure Verlockung.
Allerdings ist es erst 19:30 Uhr, Essen gibt es ab 21 Uhr; so vertrödeln wir in freudiger Erwartung die Zeit. Punkt 21 Uhr sitzen wir am Tisch. Bei der Bestellung offeriert der Wirt zwei(!) verschiedene Sorten, Margherita und Thunfisch. Wir bestellen zwei Margherita und drei Thunfisch. Seine Antwort halten wir zunächst für einen Scherz: Er könne nur zwei Pizzen machen, da nicht mehr Käse im Haus sei. Seit fast zwei Stunden weiß er, dass wir kommen, und jetzt das! Keine Chance, wir müssen uns zu fünft zwei Pizzen teilen.
Nicht wirklich gesättigt, finden wir einen kleinen Konditoreiverkauf und machen dort das Dessert zur Hauptspeise. In bleibender Erinnerung wird uns auch die folgende Nacht bleiben, in der im Nachbarhaus eine Hochzeit gefeiert wird. Der Lautstärkepegel entspricht etwa dem eines startenden Flugzeugs und wird tapfer gehalten bis nach 4 Uhr in der Früh‘. Die plötzlich unheimliche Stille währt etwa drei Stunden, in denen wahrscheinlich die Instrumente repariert werden, dann geht es munter und laut weiter. Egal, jetzt können wir auch aufstehen und den Tag beginnen.
Dadès-Schlucht und Erg Chebbi
Von Ouarzazate fahren wir über die N 10 nach Skoura und von dort in das Vallée du Dadès (auch Gorges du Dadès). Die Schlucht ist bekannt für ihre faszinierenden Felsformationen und ihre riesigen Kasbahs. Wie immer in den letzten Tagen halten uns auch hier ständige Fotostopps auf, aber es ist einfach zu schön. Weiter geht es über Boumalne und Tinerhir und später auf der R 702 zu unserem Tagesziel Erg Chebbi. Dabei sehen wir schon seit gestern immer wieder freilaufende Dromedare und wissen, dass die Schilder „Achtung Dromedare“ durchaus Sinn machen.
Wir sind da, unser entferntestes Ziel ist erreicht. Die letzten Meter über die Schotterpiste, dann ist Schluss und vor uns liegt die Sandwüste: Bis zu 200 Meter hohe, durch Wind geformte Dünen bilden ein Meer aus Sand. Der Anblick ist unbeschreiblich schön. Wenn auch im Vordergrund touristische Attraktionen angeboten werden und Reitkamele nett dekoriert auf Kundschaft wartend im Sand dösen, kann man darüber einfach hinwegsehen und nur die Sanddünen auf sich wirken lassen. Natürlich werden wir angequatscht auf Dromedar- und Quadtouren, Übernachtungen in der Wüste oder „beste Hotels“ in der Nähe.

Ein ganz nerviger Schlepper überredet uns schließlich und fährt mit seinem Mofa voraus zum besten Hotel in Merzouga. Dort angekommen, gibt es statt der verlangten fünf Einzelzimmer nur zwei Dreibettzimmer. Wir lassen ihn stehen, obwohl er verspricht, dass er uns zu einer passenden Unterkunft führen wird. An der kleinen Straße gibt es mehrere solcher Hotels, die alle ähnlich aussehen und einer Hof- oder Fortanlage gleichen. Gleich das übernächste, das wir anfahren, hat fünf Einzelzimmer frei. Die kleinen Bungalows sind aus Lehm und Stroh errichtet, die Zimmer bieten relativ guten Komfort mit Bad/Dusche und Klimaanlage.
Mittendrin befinden sich eine schöne Terrasse und ein Pool, und wir verstehen nur zu gut, dass uns ein französisches Paar erzählt, sie würden seit zehn Jahren jedes Jahr eine Woche Urlaub hier machen. Gleich hinter den Gebäuden beginnt die Wüste, wir laufen ein paar Schritte und sinken tief im Sand ein. Auch in der Anlage sind an vielen Stellen kleine Sandverwehungen, hier muss sicher oft gekehrt werden. Das Abendessen, mal wieder Tajine, wird im Restaurant serviert und ist im Zimmerpreis enthalten. Am nächsten Morgen sind alle früh auf und lassen sich vom Sonnenaufgang über der Wüste faszinieren. Merzouga wird Grund 6.
Die Rückfahrt
Heute beginnt die Rückfahrt, in zwei Tagen wollen wir in der Nähe von Tanger Med sein. Ab Erfoud fahren wir auf der N 13 über Ar-Rachidia, Midelt und Azrou nach Meknes. Etwas mehr als 400 Kilometer beträgt die Distanz, auf der wir noch einmal eine Vielzahl phantastischer Eindrücke sammeln können und mehr und mehr bedauern, dass die Zeit in Marokko zu Ende geht. Unterwegs buchen wir schon ein nahe am Zentrum gelegenes Stadthotel vor, für das wir ausnahmsweise etwas tiefer in die Tasche greifen. Bei Einbruch der Dunkelheit laufen wir eine Viertelstunde in die Stadt, deren Hektik uns nach der Ruhe der letzten Tage besonders auffällt.
Warm und laut ist es, dafür pulsiert aber auch das Leben. Auf ein Restaurant haben wir keine Lust und so trifft es sich gut, dass vor einer kleinen Pizzeria zwei Tische frei werden. Hier gibt es Pizza in -zig Variationen und auch so viele wie wir wollen. Wir haben als letzte Station in Marokko Asilah ausgewählt. Dort wollen wir gegen Mittag sein und einen Badenachmittag genießen. Armin und sein Navi fahren vor, allerdings an allen Hinweisschildern nach Tanger vorbei. Wo will er hin? Wir sind auf der N 6 Richtung Rabat in der Nähe von Khemisset.
Peter 2 ist nun (ohne Navi) völlig desorientiert und setzt sich mit Haltezeichen vor Armin. „Mei Navi hod des g´sogt“ ist Armins Erklärung für den Umweg, den wir nun weiterfahren müssen. Kurz vor Rabat queren wir nach Kenitra und fahren dort auf die Autobahn Richtung Norden. Beim Halt an einer Raststätte sehen wir mehrere Container, die Fährtickets verkaufen. Sollen wir hier schon die Überfahrt buchen? Plötzlich macht sich Stalldrang bemerkbar. Wir könnten in etwa drei Stunden eine Fähre erreichen und wären dann am späten Nachmittag in Spanien.
Der geplante Badenachmittag wird geändert in einen Badetag an der spanischen Küste und die Tickets werden gekauft. Gut eine Stunde vor der Abfahrt der Fähre kommen wir in Tanger Med an. „Ordnungskräfte“ weisen uns einen Parkplatz vor den Ticketbüros an. Und jetzt, wir haben doch Tickets? Da naht schon ein hilfsbereiter junger Mann herbei und will uns Tickets verkaufen. „Ihr habt schon welche, auch gut“ sagt er und fordert uns zum Mitkommen auf. Auf dem Weg zu einem der Container will er die Tickets und unsere Pässe haben.
Wir geben sie ihm und er reicht sie durch den Schalter, durch den sie nach einer Minute wieder zurückgegeben werden. Aha, hier werden also nur die gekauften Tickets für die Reservierung bzw. für die Ladeliste erfasst. Wir erhalten Pässe und Tickets zurück und der junge Mann begleitet uns zu unseren Motorrädern. Dort will er dann von jedem fünf Euro, also insgesamt 25 Euro für seine Dienste haben. Haben wir uns verhört? Nein, er bleibt dabei und zeigt auf seinen „Ausweis“, den er um den Hals trägt. Dieser interessiert uns nicht weiter, wir verweisen auf die in der Nähe stehende Polizei und ignorieren auch sein Sonderangebot von 10 Euro für alle zusammen.
Ein kleines obligatorisches Trinkgeld hat er ebenfalls verspielt. Nun fahren wir zur Polizei- und Zollkontrolle, die wir nach 15 Minuten problemlos passiert haben. Die Wartezeit auf die Fähre wird dafür umso länger, mehr als drei Stunden Verspätung sind dann schon nervig.
Fazit
Zwei Wochen und 4.500 Kilometer in Marokko sind wie im Flug vergangen. Nach den vielen Erlebnissen und Eindrücken sind unsere Speicher in den entsprechenden Hirnarealen übervoll. Wir haben ein wunderbares Land mit Meer, Sandund Steinwüsten, Bergen und auch blühenden Landschaften erlebt. Bis auf ganz wenige Ausnahmen waren die Menschen freundlich und hilfsbereit. Wir hatten nie das Gefühl, uns Sorgen machen zu müssen und fühlten uns immer willkommen. Die sechs genannten Gründe für eine weitere Reise nach Marokko sind nur grob gezählt – es gibt viele, viele weitere…

Stationen der Reise




Reisetipps zum Nachfahren

Hotels der Tour
- Chefchaouen – Hotel Asmaa/Atlas Chaouen
- Marrakesch – Hotel El Andalous
- Guelmim – Fort Bou-Jerif
- Tafraoute – Hotel Salama
- Tata – Hotel Tata
- Ouarzazate – Hotel La Vallee
- Merzouga – Auberge Ksar Sania
- Meknes – Ibis
Übernachten
Die Preise werden je nach Saison sehr unterschiedlich sein. Im allgemeinen gilt das französische Prinzip, d.h. das Zimmer hat einen Preis, egal ob als EZ oder als DZ. Wir haben für EZ zwischen 20 und 45 Euro bezahlt, bei HP etwa 5 – 7 Euro mehr. Es gab sehr einfache, aber saubere Hotels z.B. in Tafraoute oder in Ouarzazate, aber auch sehr gute, z.B. in Marrakesch oder in Meknes und solche zum Träumen wie z.B. in Merzouga. Chefchaouen und Marrakesch hatten wir von Deutschland aus über booking.com gebucht und auch unterwegs über dieses Portal eine Vorauswahl getroffen oder gebucht.
Essen und Trinken
In den Hotels wird oft Halbpension angeboten, in diesen Fällen gab es i.d.R. eine Suppe als Vor- und Tajine als Hauptspeise sowie Obst, Eis oder eine Süßspeise als Dessert. Während des Tages gibt es überall Sandwiches oder Salate und natürlich auch Tajine. Restaurants oder Raststätten bieten ähnlich wie bei uns auch Fleisch, Fisch, Hamburger und Pommes frites an. Wir waren nicht sehr vorsichtig (z.B. Eis in Getränken), aber keine von uns hatte Magen- oder Darmprobleme. Alkoholische Getränke nur in Hotels, allerdings auch nicht in jedem Hotel.
Telefonieren
Prepaid Handykarte – 100 Dirham für 8 bis 10 GB. Wird vor Ort eingerichtet und funktioniert einwandfrei.
Reisezeit
Marokko ist klimatisch sehr unterschiedlich. Für den Norden empfiehlt sich die Zeit von April bis November, für den Süden (ab Marrakesch) eher März bis Mai und Oktober/November. Während unserer Tour waren die Temperaturen mit 20 bis 30 Grad meist angenehm, allerdings gab es in den Bergen auch Tiefstwerte von unter 10 Grad und in den Wüstengebieten schon mal bis zu 37 Grad.
Straßenverhältnisse
Große Landstraßen und Autobahnen (Maut) sind gut bis sehr gut befahrbar. Kleinere Straßen können in schlechterem Zustand sein. Es kann passieren, dass man sich plötzlich auf einer Schotterpiste befindet, die auch oft neben den Straßen zu finden sind und befahren werden dürfen.
Fährpreise
Von Algeciras oder Tarifa nach Tanger (Med) oder Ceuta etwa 50 bis 60 Euro pro Person und Motorrad. Von Genua bis Tanger Med inkl. Motorrad und Kabine etwa 220 Euro.
Preise
Das Preisniveau ist viel niedriger als in Deutschland. Für den Liter Benzin haben wir etwa 1 Euro bezahlt. Für Hotelzimmer, Essen und Trinken zahlt man etwa ein Drittel unserer Preise. Auch eine Dose Bier im Hotel für 2 Euro fanden wir akzeptabel. Es macht grundsätzlich Sinn vorher nach dem Preis zu fragen, damit man nicht über den Tisch gezogen wird, manchmal kann man handeln (Kutsche, Taxi).
Kontrollen
In Städten, aber auch auf einsamen Landstraßen begegnet man häufig Kontrollposten, die Touristen i.d.R. problemlos passieren lassen. An zwei Stellen wurden unsere Pässe eingesammelt und kontrolliert bzw. notiert. Diese Sicherheitsmaßnahmen haben wir gerne akzeptiert.
Fotografieren
Viele Menschen wirken mit ihrer Kleidung und/oder ihrer Beschäftigung exotisch. Bei Nachfrage darf man sie in aller Regel fotografieren, manchmal wird Geld dafür verlangt.
Text: Peter Zander · Fotos: Armin Würfl · Erstveröffentlichung im GS:MotorradMagazin, Ausgabe 12/2015. Alle Angaben ohne Gewähr.
