Eine unbekannte Welt vor unserer Haustür: Man fühlt sich ins späte Mittelalter zurückversetzt, wenn man die Altstadt von Tallinn, das früher Reval hieß, durchstreift.

Auch auf dem Lande scheint mancherorts die Zeit stehengeblieben zu sein. Davon zeugen einige wundervoll gelegene und inzwischen zum Teil restaurierte Gutsanlagen wie Palmse mit alten landwirtschaftlichen Traditionen ebenso wie die Universitätsstadt Tartu, in der die estnische kulturelle und geistige Elite ihre Heimat hatte.
Eindrucksvolle Landschaften wie im Nationalpark Lahemaa und ein beeindruckender Küstenbereich mit zahllosen Buchten und über 3000 Inseln – es gibt so viel zu ‚er-fahren‘.

Unterwegs im Osten
Nach Estland käme man auch über Land, auf dem alten Handelsweg Brügge-Nowgorod, doch entspannter ist eine Anreise mit der Fähre.
Eine direkte Fährverbindung aus Deutschland in die estnische Hauptstadt Tallinn gibt es schon lange nicht mehr. Tallinn ist nur über die finnische Hauptstadt Helsinki zu erreichen, ab Travemünde über Liepaja in Lettland oder ab Kiel über Klaipeda / Memel. Hierhin geht es mit den Fähren der DFDS am schnellsten. Durch Kurland fahren wir an der lettischen Hauptstadt Riga vorbei nach Nordosten durch den Gauja Nationalpark.
Ab Sigulda wird die Landschaft hügeliger, die Landstraße deutlich geschwungener. Über die Bier-Stadt Cesis und Valmiera, der größten Stadt in der Region Livland, erreichen wir bei Valka / Valga die Grenze zu Estland. 1920 wurde die Stadt in einen lettischen und einen estnischen Teil gespalten. Durch den Ort geht bis heute eine Staatsgrenze. Aber seit dem Beitritt beider Länder zur Europäischen Union und dem Inkrafttreten des Schengener Abkommens ist es wieder möglich, ohne Kontrollen innerhalb des Stadtgebietes die Länder zu wechseln.
Die folgende Region bis zur Universitätsstadt Tartu wird den meisten von uns am unbekanntesten sein. Während wir durch Südestland cruisen, merken wir schnell, wie dünn das Land besiedelt ist. Mit 35 Einwohnern pro km² ist die Bevölkerungsdichte nur 1/7 so hoch wie in Deutschland. Die höchste Erhebung Estlands, gleichzeitig die höchste des gesamten Baltikums, ist der Suur Munamägi, der „Große Eiberg“, mit 318 Metern eher ein Hügel als ein Berg. Wir fahren durch endlos erscheinende Wälder – fast 50% des Landes ist mit Wald bedeckt, ein Viertel davon steht unter Naturschutz.
Die Landschaft ist mit Hügeln und kleinen Seen übersät, entspricht in Vielem dem, was wir aus Norddeutschland kennen. Mit dem Gefühl, nirgendwo etwas Großartiges versäumt zu haben, öffnet sich unser Auge schnell für das Farbenspiel zwischen Himmel, Wasser und Land.
Über Tolliste gelangen wir nach Sangaste und erreichen dann den heiligen See Pühajärv, von dem die Legende erzählt, dass dieser See aus den Tränen einer trauernden Mutter entstand, deren fünf Söhne im Krieg gefallen waren. Kleiner Zwischenstopp in Otepää, der am höchsten gelegenen Stadt in Estland, 152 m über dem Meeresspiegel, zu allen Jahreszeiten eine bekannte Sport- und Urlaubsregion. Das älteste Bauwerk von Otepää ist die Kirche. Im Pfarrhaus befinden sich ein kleines Skimuseum und das Flaggenmuseum. Hier wurde 1884 die blau-schwarzweiße Fahne der Korporation der estnischen Studenten geweiht. 30 Jahre später wurde sie als die Fahne der Estnischen Republik angenommen.
Irgendwann wird die Landschaft offener, die Orte folgen dichter aufeinander, Gewerbegebiete nehmen zu.
Das geistige Zentrum Estlands
Nur gut 104.000 Einwohner zählt die Universitätsstadt Tartu, das alte Dorpat, zweitgrößte Stadt Estlands. Die hier vom schwedischen König Gustav Adolf gegründete Universität hat für das geistige Leben Estlands eine ganz entscheidende Rolle gespielt. Auch heute noch bestimmt sie das intellektuelle Leben des Landes und wird weit über die Grenzen Estlands geschätzt. Der Rathausplatz ist von klassizistischen Gebäuden umrahmt, unter denen das „schiefe Haus“ eine Besonderheit ist. Es wurde auf Pfählen in feuchtem Untergrund errichtet. Als der Wasserspiegel sank, neigte sich das Haus zur Seite.
Daneben gibt es zahlreiche Museen, Cafés und einen großen Park, der sich über den Domberg erstreckt. Im „Püssirohukelder“, dem ehemaligen Schießpulverkeller im Hang der Erhebung, befinden sich heute ein Restaurant und eine Bar. Eine der besten Gelegenheiten, einen Abend in Tartu zu verbringen und in ein pulsierendes Nachtleben zu starten.
Nordwestlich von Tartu findet das größte Motorradtreffen Estlands statt, seit 1992 vom Jõgeva MC organisiert. Dieses Mal sind wir zum „falschen“ Zeitpunkt unterwegs – kein Treffen und so fahren wir gleich zum Peipsi järv, den Peipussee. Klar, weit, flach ist der fünftgrößte See Europas. Er ist gleichzeitig Grenzgebiet zu Russland. Solche Dimensionen sind wir in Deutschland bei einem See nicht gewohnt. Zum Vergleich: Der Bodensee, passt der Fläche nach gut sieben Mal in den Peipussee.
Die am Ufer liegenden Dörfer sind zum Teil estnischen, zum Teil russischen Ursprungs. Der größte Teil der russischstämmigen Bevölkerung lebt dort, und auch die Altgläubigen. Das ist eine religiöse Minderheit, die sich im 17. Jahrhundert von der russisch-orthodoxen Staatskirche abgetrennt hat. Kein Wunder, dass die ‚Abtrünnigen‘ im zaristischen Russland verfolgt wurden. Am westlichen Ende des Reiches, in den unzugänglichen Sümpfen rund um den Peipussee haben sie Zuflucht gefunden.
Dort leben sie heute noch, besonders bei Mustvee, dem Hauptort am Peipussee auf der estnischen Seite. Für uns ist es eine Reise in die Vergangenheit. Immer wieder weisen uns handgemalte Schilder vor verwitterten Holzhäusern auf den Verkauf von Zwiebeln, Tomaten und Gurken hin. Das ist es, wovon die Altorthodoxen seit Jahrhunderten leben. Und natürlich vom Fisch. Ihre Straßendörfer sind Fischerdörfer.
Die Verfolgung der Altgläubigen war auch am Peipussee weitergegangen. Erst mit der neuen Unabhängigkeit Estlands wurde es den Altgläubigen wieder gestattet, ihre Religion auszuüben und die zerstörten Kirchen wieder aufzubauen.
Anders als im Westen Estlands, wo Hunderttausende junger Menschen die Inseln und das Festland verlassen, um in Tallinn, England oder Irland ihr Glück zu suchen, bleiben die Altgläubigen in ihren Dörfern. Schon wenige Kilometer hinter Mustvee zeigt sich der Peipussee von einer ganz anderen Seite. Nun bestimmen nicht mehr die Friedhöfe, Kirchen und Holzhäuser der Altgläubigen das Bild, sondern ausgedehnte Wälder.
Etwas abseits der Hauptstraße treffen wir beim Dorf Kuremäe auf das Kloster Pühtitsa, das einzige „arbeitende“ russisch-orthodoxe Kloster in Estland. Hier leben etwa 100 Ordensschwestern und Novizinnen in traditioneller Lebensweise. Nach einer orthodoxen Legende kam es im 16. Jahrhundert hier zu einer Erscheinung. Um eine alte Eiche herum sind die Gebäude des Klosters angeordnet, im russischen Stil erbaut. Besonders bemerkenswert ist das Tor mit seinen sieben Glocken und den Wandmalereien. Die der Legende nach neben der Eiche gefundene Ikone wird in der Hauptkirche aufbewahrt. Mit ihren fünf Zwiebeltürmen ist die Uspesnkij-Kathedrale das mächtige Zentrum der gesamten, von einer Mauer umgebenen Anlage.
Heute untersteht das Kloster wieder dem Patriarchat von Moskau und ganz Russland.
Auf dem Weg zur Küste durchqueren wir das Kurtna-Seengebiet, das rund 40 kleine Seen umfasst. Eine angenehme Landschaft im Gegensatz zu der, die wir anschließend durchfahren. Verbrennungsgeruch steigt uns in die Nase. Er wird uns noch eine Weile begleiten, verursacht von Kraftwerken, die Öl verbrennen. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wird in der Provinz Ost-Virumaa Ölschiefer abgebaut.
Der immense Brennstoffbedarf der Sowjetunion machte die Dörfer Kohtla und Järva zum Industriezentrum, weite Teile der Region fielen dem Tagebau zum Opfer. Der russische Bevölkerungsanteil der Stadt Kohtla-Järve liegt weit über dem Landesdurchschnitt, typisch für die Industriegebiete Estlands und die gesamte Region. Das gilt auch für das Industriezentrum Narva, den Grenzübergang nach Russland. Hier stellen die Esten nur drei Prozent der gut 80.000 Einwohner.
Lahemaa – das Land der Buchten
„Auch wenn du nur einen Tag übrig hast“, hatte mir bei meinem ersten Besuch in Estland mein Freund Anti in Tallinn gesagt, „du musst unbedingt in den Lahemaa-Nationalpark fahren. Aber nimm dir die Zeit und fahre parallel zur ‚1‘ auf der alten Straße, es lohnt sich. Und fahr in jedem Fall ins Fischerdorf Altja, nach Käsmu und zum Herrenhaus in Palmse. Wenn du dir mehr Zeit nimmst, dann übernachte dort im Parkhotel Palmse, der ehemaligen Schnapsbrennerei der Gutsanlage oder im Kohala Manor.“
Der Nationalpark umfasst knapp die Fläche des Stadtstaats Hamburg. Unsere Tour führt an Alvaren vorbei, der ältesten Ackerbaulandschaft in Estland, über das ebene, mit Wacholder bewachsene Kalksteinplateau bis zum Glint, dieser steilen, teilweise über 50 m abfallende Bruchstufe aus Schiefer, die sich parallel zur estnischen Nordküste entlang zieht. Hier wachsen riesige Wälder, treffen wir auf Moore, von denen es in Estland einige tausend gibt. Das Viru-Hochmoor ist eines der kleinsten, aber über einen Bohlenweg leicht zu erreichen. Neben verschiedenen typischen Moorpflanzen gibt es hier auch Sonnentau, diese „fleischfressende“ Pflanze in einer Menge, wie ich sie zuvor noch nie gesehen habe.
Über wenig befahrene Straßen fahren wir durch den Lahemaa-Nationalpark über einen „Goldenen Ring“ von repräsentativen Herrenhäusern mit ihren stattlichen Parkanlagen, Seen und Alleen, umgeben von den Naturschönheiten des Parks. Die etwa ein Dutzend Gutshöfe in Lahemaa sind je nach Lage, örtlicher Bedingung und Nutzung in unterschiedlich gutem oder schlechtem Zustand. Zu den restaurierten Häusern zählen Sagadi, eines der wenigen estnischen Gutshäuser im Rokokostil mit interessantem Forstmuseum, das an einem See gelegene Gut Vihula mit einer eigenen Wassermühle und das Herrenhaus von Kohala.
Das wohl schönste Beispiel ist die Gutsanlage von Palmse. Die Gebäude sind von einem repräsentativen Barockpark mit alten Bäumen, Schwanenteichen, Gartenpavillons und einer großartigen Orangerie umgeben. Im großen Obstgarten hat man alle alten Kernobstsorten Estlands zusammengetragen. Eines der großen Nebengebäude der Gutsanlage, die ehemalige Schnapsbrennerei, wurde zum komfortablen Parkhotel Palmse ausgebaut. Willkommener Ort für eine Übernachtung.
Das Fischerdorf Altja bietet gute Gelegenheit für eine Pause. Im Körts, dem alten Dorfkrug, wird wieder die traditionelle Küche gepflegt. 20 Kilometer weiter westwärts erreichen wir einen anderen geschichtsträchtigen Ort, Käsmu, das „Dorf der Kapitäne“. Hier befand sich die Seefahrtschule Estlands. Nur Männer wurden hier ausgebildet, Frauen war es strengstens verboten, ein Schiff zu betreten, das hätte Unglück gebracht. Sie mussten zu Hause auf ihre Männer warten, oft vergeblich. Deshalb ist Käsmu auch als „Dorf der Witwen“ bekannt. Im ehemaligen Schulgebäude ist heute ein Museum untergebracht.
Arne Vaik hat im Laufe seines Lebens viel Maritimes zusammengetragen, aber auch Gegenstände aus der Zeit, in der Estland Sowjetrepublik war. Damals waren die Küstenorte im Lahemaa Nationalpark militärisches Sperrgebiet. Das Westmeer, wie hier die Ostsee genannt wird, war eingezäunt, denn Finnland ist nicht weit. An den Spitzen der Halbinseln standen sowjetischen Wachtürme, die die Flucht in die Freiheit verhindern sollten. Ein Abstecher bringt uns zur Bucht von Hara, lange Zeit absolute Sperrzone, denn in der Bucht war einer der wichtigsten U-Boot-Häfen der Roten Flotte. Die Zufahrt ist schwierig zu finden, dieser merkwürdige Ort liegt hinter Buschwerk versteckt.

Befestigter Wohnturm und ein überraschend großer Wasserfall
Auf der alten Landstraße St. Petersburg–Narva–Tallinn fahren wir weiter und erreichen einen mittelalterlichen Wohnturm. Heute dient er als Café und ist durch den Eierlikör Kiiu Torn bekannt. Gute Gelegenheit zu einem Stopp für eine Kaffeepause.
Ein paar Kilometer weiter finden wir nach einigem Suchen den Wasserfall von Jägala, den größten in Estland, gut sieben Meter hoch. Durch die Jahrhunderte hat das Wasser den Kalkstein poliert und ein etwa 14 m tiefes und 300 m langes Tal entstehen lassen. Am mächtigsten ist der Wasserfall im Frühlingshochwasser. Mit meinen wasserdichten Motorradstiefeln kann ich über die glitschigen Steine an einer Stelle sogar hinter den Fall klettern.
Von der Hauptstadt auf die Inseln
Vorbei an großen Industrieanlagen fahren wir durch die Vororte ins Zentrum Tallinns. Einen Tag lassen wir die Motorräder am Hotel und erkunden diese eindrucksvolle mittelalterliche Stadt zu Fuß. In der Oberstadt liegt auf der steilen Anhöhe des Domberges eine Befestigungsanlage aus dem 13. Jahrhundert. Weit schweift von dort der Blick über die von Mauern umgebene mittelalterliche Unterstadt, die Bucht und die Kreuzfahrtschiffe bis zum alten Olympiahafen von 1980.
Tallinn hat etwa 412.000 Einwohner, was etwa einem Drittel der Gesamtbevölkerung Estlands entspricht.


Vorbei am Wasserfall bei Keila und der Klosterburg in Padise erreichen wir den Kurort Haapsalu. Die Stadt ist berühmt für ihren mit 214 Metern längsten überdachten Bahnsteig in Europa. Der Bahnhof wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut, um die russische Zarenfamilie würdig zu empfangen. Doch die russischen Herrscher haben den fertigen Bau nie zu sehen bekommen. Der so genannte Zarenbahnhof dient heute als Denkmal und Museum.


Als einziges baltisches Land hat Estland eine Vielzahl von Inseln. Mit einer Fähre fahren wir zur Insel Hiiumaa. Dann cruisen wir zum Leuchtturm Köpi. Irgendwo an der Piste steht ein Verkehrsschild mit der Angabe „@Internet“, einzigartig in Europa. Es zeigt, wo sich der nächste Hotspot befindet. Das ist gesetzlich garantiert Estland bietet seinen Bürgern kostenlosen Zugang zum Internet.
Das Land verfügt praktisch über ein flächendeckendes, stabiles und schnelles WLAN-Netz. Das geht auch ohne eigenen Rechner, denn in Ämtern, Bibliotheken, Cafés, Tankstellen, Busse, Bahnen und Dorfläden kann jeder ins Netz gehen. Die Esten können seit 2005 sogar ihre Politiker über das Internet wählen. E-Voting ist bisher einzigartig in Europa. Die Probleme einer totalen digitalen Vernetzung erlebte Estland auch 2007, als es den ersten schweren Hackerangriff auf einen Staat gab.

Im Süden der Insel erreichen wir den Fährhafen von Söru und setzen dort nach Saaremaa über, auf die größte estnische Insel. Die Windmühlen von Angla und der Meteoritenkrater Kaali sind nur zwei der zahlreichen Sehenswürdigkeiten Saaremaas, deren Inselhauptstadt Kuressaare viele Übernachtungsmöglichkeiten bietet.


Über eine Brücke gelangen wir auf die Insel Muhu. Von hier geht es dann wieder mit einer Fähre zum Festland und bald erreichen wir den alten Badeort Pärnu, bekannt für seinen 20 km langen und bis zu 100 m breiten Sandstrand. Ansehnliche alte Kurgebäude, eindrucksvolle Jugendstilvillen und einige überaus modern anmutende Gebäude im Bauhausstil, Strandvillen reicher Menschen, erbaut in den 1920er Jahren, kennzeichnen diese kleine Stadt.

Bei strahlendem Sonnenschein verlassen wir die alte Hansestadt Pärnu. Auf dem Weg hinaus passieren wir auf einer alten Brücke den Pärnu Fluss und schwenken dann ab nach Süden. Richtung estnisch – lettischer Grenze werden die Abstände zwischen den Ortschaften immer größer, dafür die Strände immer einsamer. Gelegenheit zu einem Zwischenstopp, um ein Bad in der Ostsee zu nehmen. Dann die Grenze. Dank Schengen weist nur noch ein blaues Schild mit den EU-Sternen auf den Wechsel nach Lettland hin, die dunkelrot-weiß-dunkelrote Flagge und das Schild mit dem Hinweis auf Geschwindigkeitsvorschriften.
Entlang der Ostseeküste Lettlands machen wir uns wieder auf den Weg zur Fähre in Klaipeda. Es ist nicht unser letzter Besuch in Estland, so viel mehr gibt es noch zu entdecken und zu erfahren!
Diese kleine Ostseerepublik ist zurück in Europa – mit stiller Natur, gastfreundlichen Menschen und einer höchst interessanten und pulsierenden Hauptstadt. Mit der „singenden Revolution“ befreite sie sich 1989-91 aus der zerfallenden Sowjetunion und erlangte ihre Unabhängigkeit zurück. Die Zeit als sowjetische Republik hat einige Veränderungen gebracht. An diesem Erbe hat Estland besonders aus ökologischer Sicht wohl noch lange zu tragen. Aber es geht gewaltig voran, ob über das Internet wählen oder Unterlagen unterzeichnen – in Estland wird alles dafür getan, dass man seinen Alltag ohne großen administrativen Aufwand bewältigen kann.
Auf der anderen Seite werden weiter Traditionen gepflegt. Das estnische Sänger- und Tanzfest gilt als das Erkennungszeichen Estlands schlechthin und ist ein Grund, warum die Esten häufig als „singende Nation“ bezeichnet werden. Da seine vereinigende Wirkung so einzigartig ist, wurde es sogar zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO ernannt.
Unterkunft der Reise
- Lahemaa – Parkhotel Palmse
- Nordküste – Kohala Manor
Text & Fotos: Jürgen „Juri“ Grieschat · GS:MotorradMagazin, Ausgabe Nr. 16. Alle Angaben ohne Gewähr.
